Mai 22

Donnerstag

Gestern Nacht hat es mich mal wieder voll erwischt. Kathrin und ich waren auf dem Weg zu mir nach Hause…

Etwa 200 Meter nachdem wir die Autobahnausfahrt genommen haben, meldet sich der Bordcomputer mit einem Warnhinweis in roter Schrift: “Reifendruck Überprüfen [...]“. Zuerst denkt man natürlich, der Computer habe einen Fehler, denn das Auto fuhr ja einwandfrei über die Autobahn, bestimmt handelt es sich dabei um einen technischen Fehler.

Da der Teufel ja oftmals im Detail steckt, habe ich mich aber dennoch entschlossen direkt anzuhalten und mal nach dem Rechten zu schauen. Es hat sich auch sofort eine Bushaltestelle zum Halten angeboten. Schon als ich den Blinker Richtung Haltebucht gesetzt hatte und das Fahrverhalten des Wagens immer schwammiger wurde, wurde mir dann doch klar, dass es sich in der Tat um einen platten Reifen handelte. Am hinteren rechten Reifen war kein Hauch Luft mehr zu erkennen.

Sogleich machte ich mich auf zum Kofferraum, um mir die Anleitung zum TIREFIX-Kit anzuschauen. Nun steht man also da Nachts um halb eins und schaut sich bei etwas halbherzigem Licht diese Anleitung, mit viel zu kleinen Abbildungen und kurzen Sätzen, an. Noch nicht ganz Herr meiner Lage machte ich mich daran das Gerät, bestehend aus einem 12V-Kompressor und einer Flasche “Tire-Repair-Flüssigkeit”, zusammen zu bauen.

Das Prinzip ist recht einfach, der Kompressor wird an den Zigarettenanzünder angeschlossen und gestartet. Verbunden mit der Flasche pumpt er nun die Abdichtflüssigkeit in den Reifen. Man soll die Pumpe etwa 5 Minuten laufen lassen, danach ist die Flüssigkeit schon komplett im Reifen. In der Beschreibung findet man leider keine genaue Erklärung, was zum Erstarren der Flüssigkeit führen soll. Hitze? Luftdruck? Wartezeit? – Man weiß es nicht genau.

Während das Gerät anfing den Reifen aufzupumpen, konnte ich derweil die Stelle ausmachen, aus der die Luft, gut hörbar, wieder austrat. Zum Glück handelte es sich nur um ein kleines Loch und ich schöpfte wieder etwas Hoffnung, die Nacht noch nach Hause zu kommen.

Nach dem ersten Versuch hatte ich laut Kompressor etwa 1,8-2 Bar erreicht, was laut Beschreibung ausreicht, um weiter zu fahren. Als ich nun versuchte den Schlauch des Kompressors vom Ventil des Reifen zu lösen, trat plötzlich wieder Luft aus dem Pannen-Loch. Meine Hoffnungen verschwanden wortlos.

Daraufhin habe ich dann nochmals den Motor gestartet, um etwas hin und her zu fahren, damit sich die Abdichtmasse etwas verteilen kann. Beim zweiten versuch den Reifen wieder mit dem Kompressor aufzupumpen ist aus dem Loch dann die dünnflüssige weiße Masse ausgetreten. Hilft also auf den ersten Blick nicht wirklich und ich wurde nur noch skeptischer, was die Wirkungsweise dieses Pannen-Sets betrifft.

Zum Schluss kam mir dann nochmals der Gedanke, den Reifen so zu drehen, dass das Loch genau unten zum Boden gerichtet ist und so noch einige Minuten länger zu warten, bis sich die Flüssigkeit erhärtet. Hoffentlich.

Nach weiteren zehn Minuten Wartezeit habe ich dann den finalen Versuch mit dem Kompressor gestartet, wobei ich bis etwa 3 Bar gekommen bin. Daumendrückend löste ich abermals den Schlauch vom Ventil und hatte Glück! Alles bleib an Ort und Stelle. Beim Losfahren war einem schon etwas mulmig zu Mute. Mit aberwitzigen 50km/h machten wir uns auf den Heimweg über etwa 12km Landstraße.

Insgesamt hat die Prozedur etwas mehr als eine halbe Stunde in Anspruch genommen. Ich persönlich hätte ich dieser Zeit lieber einen (echten) Reifen gewechselt. Aber ich muss auch zugeben, dass mein Vertrauen in das repair-kit doch wieder etwas zugenommen hat, da heute Morgen noch genauso viel Luft im Reifen ist, wie in der Nacht des Unglücks.

Als ich dann zu Hause die Tür rein kam, habe ich vor Freude noch mein Handy fallen lassen. Seit dem hat es seinen ersten Macken an der Ecke… *seuftz*
iPhone first Crack

| Trackback | Kurzlink

Einen Kommentar verfassen