Apr 28

Dienstag

Eigentlich habe ich mir immer vorgenommen, nach außen hin, keine politischen Statements abzugeben, egal in welcher Form auch immer.

Das ist leider garnicht so einfach, wie ich letztens erst wieder feststellen musste.

Wie viele sicherlich wissen, bin ich viel auf Twitter unterwegs. Dort kommt es oft auch zu mehr oder weniger politischen Diskussionen. Auch haben sich viele Parteien zum Ziel gesetzt, dort vertreten zu sein, um ihre parteilichen Ziele nach außen zu tragen. Das ist ja an sich nichts schlimmes.

Trotzdem widerstrebte es mir jemandem zu followen, der sichtlich einer bestimmten Partei angehört. Warum kann ich nicht einmal genau sagen. Ich schätze, ich ziehe es einfach vor, mich politischen Ideologien zu entziehen. Natürlich habe ich auch eine politische Meinung, wie sie auch jeder haben sollte. Doch sehe ich mich dadurch noch lange nicht mit einer Partei verbunden.

Ein weiterer Punkt, an dem ich gezögert habe, war das Zensursula T-Shirt, das zur aktuellen Debatte um die Internet-Zensur angeboten wird. Ich fand das Shirt und auch die Idee dahinter eigentlich ganz gut. Gerade als Person, die mit dem Internet aufgewachsen ist und natürlich aufgrund meines Berufes, sehe ich es sehr kritisch, was dort geschieht. Aber ich möchte nicht auf der Straße von Passanten angesprochen werden, warum ich gerade dieses Shirt trage, um mich dann politisch rechtfertigen zu müssen. Das können andere viel besser. Zudem kommt: Wer durch ein Shirt noch darauf aufmerksam gemacht werden muss, worum es geht, der hat den Zug meiner Meinung nach sowieso schon verpasst.

Wenn mich jemand zu einem Thema befragt, dann habe ich eine Meinung, diese ist aber in der Regel nicht politischer Natur. Auch wenn manche das vielleicht gerne hinein interpretieren.

Warum genau ich so eingestellt bin, kann ich auch noch kurz erläutern:
Und zwar tagten auch schon in Freundeskreisen politsche Debatten, in der jeder seine Meinung kund tat. Im Endeffekt dreht man sich mit den Argumenten im Kreis und man ist vielleicht auch noch erschüttert, dass selbst enge Freunde, subjektiv betrachtet, eine andere Vorstellung von politischen Themen haben, als man selbst. Da wäre es mir vielleicht doch lieber gewesen, wenn die Gespräche nicht stattgefunden hätten. Denn diese können den Blickwinkel zu einer Person unter Umständen gravierend verändern und in ein deutlich schlechtes Licht rücken.

So viel dazu! ;)

PS.: Wer am Ende dieses Textes immernoch denkt: “Na toll wieder so ein Jugendlicher, der nicht wählen geht, weil er keine Ahnung hat, was in der Politik abgeht.” Naja derjenige hat den Text einfach noch nicht verstanden, würde ich behaupten. Einfach nochmal lesen, vielleicht hilft’s!

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7 Kommentare zu “Es ist garnicht so einfach “unparteiisch” zu sein”

  1. Andreas schreibt:

    Mir geht es da ganz ähnlich. Bin im Grunde auch ein sehr unpolitischer Mensch. Doch fällt das in der letzten Zeit überaus schwer. Zuviel läuft meiner Meinung nach aus dem Ruder.
    Die Politik-Diskussionen mit Freunden hab ich mittlerweile auch eingestellt. Zu oft ist man über die politische Einstellung von guten Freunden Enttäuscht.

  2. Lenny schreibt:

    Bin ja schon froh, dass ich nicht der einzige mit dem Problem bin ;)

  3. p. schreibt:

    Wenn du dich im Supermarkt entscheidest, Dose A oder Dose B zu kaufen, ist das bereits eine Form von Politik, weil du damit eine Wirtschaft unterstützt und damit einige Zusammenhänge lostreten kannst. Insofern reden wir oft auch dort politisch, wo wir es nicht vermuten.

  4. Lenny schreibt:

    Das stimmt allerdings. Von daher finde ich, dass es immer schwerer wird im Alltag “unpolitisch” zu wirken, weil es immer wieder Leute geben wird, die andere dadurch in ihre Schubladen stecken.

    So nach dem Motto: “Soso, der kauft also nur Dose A und hat was gegen Dose B, unfassbar!”, dabei war Dose A vielleicht einfach nur günstiger. Aber was macht der andere, wenn Dose B mal ausverkauft ist? Streiken?

  5. Mathias schreibt:

    Ich habe mir letztens eine Packung KinderCountry (ja ich steh drauf) gekauft und eins einem bekannten angeboten. Der hat mich dann komisch angesehen und meinte ob ich nicht wüsste was der Herr Nestle so alles treiben würde und ich das nicht unterstützen solle.

    Dabei hat ich doch einfach nur bock auf schoki!

    Ist schon schade wenn man sich im Alltag über alles Gedanken machen muss ob auch wirklich alles was man sagt, tut und kauft “politisch korrekt” ist um es sich nicht bei menschen mit einer anderen Meinung versauen zu wollen. Im Moment gehe ich noch davon aus, dass die, mit denen ich viel zeit verbringen meine eigene Meinung respektieren. Ich versuche es auch…

    Ich war lange zeit auch froh unpolitisch zu sein/nichts damit zu tun haben zu müssen. Aber aktuell ist es echt bedauerlich mitzuerleben was einem andere Leute vorschreiben wollen. Und das bekomme ich jetzt ja auch nur mit weil es um ein Thema geht bei dem ich mich auskenne. Gar nicht auszudenken was da noch alles bei Themen passiert von denen ich keinen Plan habe ;)

  6. Lenny schreibt:

    Stimmt. Das mit Nestlé wäre mir jetzt auch nicht bekannt gwesen.
    Aber ich wurde vor Jahren auch schonmal darüber aufgeklärt, warum man besser keine Müller-Milch mehr kaufen sollte.

    Jetzt muss man also nicht nur die Preise und den Inhalt vergleichen, sondern auch noch die Ziele der Marke im Hinterkopf behalten.

  7. Mathias schreibt:

    Jep, Irgendwann hört es dann echt auch mal auf. Da wären wir ja mal wieder beim Thema. Der Verbraucher sollte sich ja beim konsumieren keine Gedanken mehr darum machen. Es sollten ja eigentlich andere Leute dafür sorgen, dass das was ich kaufen kann auch Ordentlich hergestellt wird und die Hersteller keine krummen Dinger drehen. Aber das ist vermutlich wie alles … gar nicht so einfach

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