Jan 11

Dienstag

Ich hatte so große Pläne…
Ein Reisetagebuch! Tägliche Updates mit fantastischen Bildern und tollen Worten!
Jetzt bin ich 2.5 Monate weg, und was hab ich gemacht?
NICHTS!!!!!

Keine tollen kleinen Anekdoten über meine Inselabenteuer…
Keine aufregenden Geschichten über die Fremdländer…
Keine kilometerlangen Bildergeschichten…

Und warum?
-Weil’s so ist wie immer!
Das Leben kommt einem in die Quere!
Und warum?
-Weil’s sonst nix besseres zu tun hat!

Ich frage mich, warum man sich so oft Dinge vornimmt…so richtig fest mit ‘Mach ich bestimmt!’ und ‘Dann geht’s aber rund!’ und wenn der große Tag endlich da ist, denkt man bloß: ‘Ach…Morgen!’

Ich wollt hier so viel machen…für die Uni…mal wieder was ernsthaftes schreiben…zeichnen…

Eben alles, wozu ich zu Hause normalerweise nicht komme, obwohl ich das gern würde…
Wie sich herausstellt muss man sich allerdings auch im Exil wirklich Zeit nehmen, um was zu tun…verflixt!
Stattdessen hab ich die Zeit hier bisher hauptsächlich damit verbracht, über Dinge und Menschen nachzugrübeln, die genau da sind, von wo ich so dringend weg wollte…

Paradox!

Das Beste daran is, dass mich das auch nicht weitergebracht hat…die Erleuchtung blieb (bisher) leider aus…Es ist nach wie vor alles irgendwie suboptimal, meine Gefühle ein wunderbar buntes Chaos an Abstrusitäten, eine Sackgasse neben der anderen…
‘Abstand hilft!’ wurde mir versichert…
Ja…irgendwie schon…immerhin kam ich von ‘Ich werd demnächst ausrasten!!!’ zu ‘Wat willste machen!’ -Das ist doch schon was, oder?!

Ich könnte jetzt sagen: ‘Ab Heute wird alles anders!’
Aber ich weiß genau, wenn ich Morgen wieder hier sitze, werd ich höchstwahrscheinlich auch  nicht an meinem Reisetagebuch schreiben…-denn was bringt es, wenn man nach 2.5 von 3 Monaten noch damit anfängt?!
Ich werd wahrscheinlich auch nicht wirklich mit dem Unikram weitermachen, den ich mit hergebracht hab, um mir zu Hause mehr Luft zu schaffen…
Und emotional werd ich auch nicht viel weiter sein…
Denn so schön das mit dem ‘rauskommen’ und dem ‘Abstand kriegen’ ist…man löst keine Probleme! -Man ist nämlich raus…weg von dem, was einen beschäftigt…

Ich liebe es, hier am Meer zu wohnen…in 5 Minuten am Strand zu sein, die Haare vom salzigen Wind zerzaust zu bekommen…den Sand unter den Füßen und die Sonne im Gesicht…Das kommt meiner Vorstellung vom Paradies schon recht nahe (ok…15° wärmer wären toll)…aber dennoch…

Meine Freunde fehlen mir…meine Familie…mein Bad (ja, mein Bad…)

So schön es ist, hier die Seele baumeln zu lassen…-und das tut sie..sie baumelt und hängt fest an einem Punkt, einem festen Punkt, an dem sich nichts ändert, und weshalb sich leider auch nichts WIRKLICH ändert…
Anfangs dachte ich, dass sich ‘alles’ ändern müsste, damit ‘alles’ wieder gut wird…aber mittlerweile denke ich, dass ‘alles’ eigentlich ganz ok ist…und ich vielleicht nur etwas mehr Zeit brauche, mich an ‘alles’ zu gewöhnen…
Vielleicht möchte ich mich auch nicht an ‘alles’ gewöhnen…so ein paar Dinge müssen definitiv anders werden…
Aber eben nicht ‘alles’…

Wirr, was? -Find ich auch!

Vielleicht lesen wir uns Morgen…
Wenn ab Morgen wirklich ‘alles’ anders ist,
sagt die Kathrin

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2 Kommentare zu “Die alte Frau und das Meer – oder: Von Einer, die auszog, ihr Leben neu zu ordnen”

  1. Sarah schreibt:

    Durchhalten! Wir sind so gut wie unterwegs, um Dich von der Insel zu holen ;D

  2. Carina schreibt:

    Es ist wirklich nicht mehr schön, aber ich hätte diesen Beitrag schreiben können. Ich habe derartige “alles neu”-projekte schon so etwa sechs mal gestartet. Jedes einzelne hat ein neues Blog und liegt jetzt brach … :(

    Aber hey, so schlimm ist es gar nicht!

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