Jun 15

Mittwoch

Menschen!!!!

geschrieben von kathrin um 17:52 Uhr.

[Auf einfachen Wunsch eines einzelnen Lennys, werd ich meinem Ärger des gestrigen Tags doch noch Luft machen...
Wollte diesen Tag mal unkommentiert lassen, aber wenn ich schon nen virtuellen Stock zugeworfen bekomme, kann ich mich da ja fast nicht entziehen.]

Seit nunmehr einigen Jahren nutze ich recht häufig, wenn auch nicht ganz freiwillig, öffentliche Verkehrsmittel, und hauptsächlich den Service der wunderbaren Deutschen Bahn…
Dass ich mittlerweile zum selektiven Misanthropen aus Leidenschaft mutiert bin, ist nicht zuletzt ihr Verdienst. Selten begegnen (zumindest mir) so viele Menschen, deren Gegenwart ich missen möchte, wie während meiner Pendlerfahrten im Regionalexpress.

[Ein kurzer Einschub: Du merkst schon, ich werd zum Link-Monster, weil ich endlich ma realisiert hab, dass das kein Hexenwerk ist :P
Darüber hinaus sitze ich hier gerade mit stolzgeschwellter Brust, weil mein Blogeintrag zur selektiven Misanthropie nicht nur der erste hit bei Google ist, sondern gleich die ersten 4 (ja, V-I-E-R) hits zu meinem Artikel führen!! BAM! -ja, ich weiß..'selektive Misanthropie' ist nicht gerade ein Standardsuchbegriff, aber SCHEISSEGAL!! :D]

Schnell zurück zum Thema, bevor mir vor lauter YAY nicht mehr nach BUH ist!

Ok…wo war ich?
Ach ja! Die Deutsche Bahn…Sodom UND Gomorrha! Das notwendige Übel! Quell der Aggression! Ewiges Narf!

Nachdem ich einen zwar arbeitsreichen, aber dennoch angenehmen Tag im benachbarten Ausland verbracht hatte, war mir am späten Nachmittag dann doch wieder nach heimatlichen Gefilden zumute. -’später Nachmittag’ und ‘Zug’ ist im Übrigen keine gute Kombination, wenn man Wert auf die Einhaltung des eigenen Tanzbereichs legt…
Aber dazu gleich mehr…

Erst mal muss der Zug ja ankommen! Oft schon ein Knackpunkt…So auch gestern…Natürlich!
Bis der Regionalexpress nach Saarbrücken mit 15 minütiger Verspätung eintraf, war er schon kein Regionalexpress nach Saarbrücken mehr, sondern nur noch ‘ne Bummelbahn nach St. Ingbert. Lang leben die Gleisarbeiten!
Der Bahnsteig war bis zum Bersten mit Menschen gefüllt, die sich lautstark über diesen Umstand aufregten, und sich dazu auch gerne in Kleingruppen zusammenfanden, um ihrem Unmut ob der Verspätung/Streckensperrung, sowie die gesamte Geschichte ihrer Bahnerlebnisse kund zu tun. Motzen verbindet. -Ich mach das nich, weil ich es viel lieber hier brühwarm aufschreiben wollte. :P
In solchen Momenten (man mag es kaum glauben, es ist mir selbst ein Rätsel) bin ich eher der Typ Mensch, der sich denkt: Jo…was soll’s…ist halt so! Bringt ja auch nichts, sich darüber jetzt Falten in die Stirn zu graben.
Selbstredend war ich wenig begeistert darüber, dass mein Anschlusszug wohl damit nicht mehr MEIN Anschlusszug sein würde, aber -wie schon gesagt- kann man halt nichts machen.

Der minimäusekleine Zug (wahnwitzige 2 Abteile) trudelte also genüsslich ein, Menschen drängten sich ohne Rücksicht auf Verluste und todesmutig zur Tür. -Todesmutig, weil das meist schon passiert, bevor der Zug steht, denn das kostet nur unnötig Zeit, die ein anderer, teufelskerliger Draufgänger nutzen könnte, um sich einen Sitzplatz zu beschaffen, der ihm nicht zusteht! Nicht auszudenken!

Wie es der Zufall wollte, hielt der Zug ausgerechnet so, dass sich dort, wo ich stand, der Eingang zum Paradies darbot. Der Laie mag es für eine Zugtür gehalten haben, aber die Aufregung und Kuschelwut der (gefühlten) 30 Menschen um mich herum ließen vermuten, dass ewiges Glück und 72 Jungfrauen (oder war es doch nur ein Obstkorb?) im Innern auf uns warteten.

Voller Eifer, und ohne die ankommenden Menschen ungehindert aussteigen zu lassen, ging das Gedränge auch gleich los. -Da mir die Sonne aus dem Arsch scheint, wurde ich recht zügig (!) ins Abteil gespült und an einer (noch) leeren Vierer-Sitzgruppe abgelegt. Kaum konnte ich dieses Glück genießen, als auch schon ein Mann mittleren Alters (Marke ‘Mittlebenskrise’) beschloss, dass es viel toller ist, sich fast auf meinem Schoß niederzulassen, als sich zu seinen beiden Bekannten zu gesellen, die ihm zuvor zum Austausch seiner Verkehrs(mittel)probleme Ohren und Aufmerksamkeit offeriert hatten. Natürlich stand auch die freie Bank mir gegenüber nicht zur Debatte…
Ich nehme an, er hat mich mit einer der 72 Jungfrauen verwechselt.

Da ich nicht sonderlich auf Vollkontakt mit fremden Verkehrsproblemen stehe, verzog ich mich sogleich weiter in meine Ecke. Da ‘Wegrutschen’ wohl das neue ‘Ich steh drauf!’ ist, kam er mir gleich nach.

Wieder Vollkontakt

Etwas energischer rückte ich erneut von ihm ab. Mein sonst so effektiv bösartig angepisster Blick schien ihn nur noch mehr zu berzirzen…-Allein das sagt schon viel über einen Menschen aus…Lebensmüde much?!

Um Fassung zu wahren und meine gute Kinderstube nicht zu vergessen, beschloss ich, ein letztes Mal kommentarlos Abstand zu schaffen und meine Musik etwas lauter zu drehn. (genaugenommen hab ich die Musik lauter gedrückt, aber das sagt man ja nicht so…)

Scheinbar war auch das noch nicht deutlich genug.

Just als meine (derzeit stark verkürzte) Zündschnur endgültig Feuer fing, stand er auf, um den (leider zum Stillstand gekommenen) Zug zu verlassen. Durch die geöffnete Tür. Nochmal leider.

Schade… ich hatte mich schon ein bisschen drauf gefreut, ihm zu erläutern, wie unfassbar unhöflich und penetrant seine überaus unsympathische Art doch ist.

Eigentlich hab ich mich dann auch mehr über mich selbst geärgert.
Ich bin schon groß…und trotzdem denke ich in solchen Situation, obwohl meine Halsschlagader zu Bersten droht, doch meist noch zuerst daran, dass es dem Gegenüber unangenehm sein könnte, darauf angesprochen zu werden, dass er sich -für meinen Geschmack- definitiv zu weit in meinem Tanzbereich befindet.

Da trifft gute Erziehung auf geballte soziale Inkompetenz in Kombination mit vollständiger Merkbefreitheit.

Man fragt sich: Was geht wohl in einem solchen Menschen vor?!
-Wahrscheinlich findet er es einfach toll, menschliche Nähe zu spüren…

Ich kann allerdings versichern, dass die Chancen des nächsten Sympathnix, der mir auf die Pelle rückt, eine verbal schmerzhafte Portion davon zu bekommen, nicht allzu schlecht stehen.

Dank guter, und nicht zuletzt lauter, Musik, konnte ich meine normale Betriebstemperatur recht schnell wieder herstellen, und als mir die Bäckereifachverkäuferin, entschuldigend mit den Schultern zuckend, mitteilte, dass die Wurst aus ist und sie mir ‘ansonsten wirklich gern ein belegtes Brötchen gemacht hätte’, konnt ich mir ein leises Glucksen schon nicht mehr verkneifen.
Unter (für mich) normalen Umständen hätte ich gefragt, wo sie hin ist, aber so weit war ich dann doch noch nicht.

Seit gestern bin ich endgültig sicher:

Musik rettet Leben! Ganz ohne Flachs! -War das nicht auch das, woraus die zukünftige Königin Gold spinnen sollte, u dafür Rumpelstilzchen ihr Erstgeborenes versprach? Ach nee..das war Stroh.

A propos ‘Stroh’..Ach nein, lieber doch nicht…
Mehr als genug wirres Zeug für heute!
sagt die Kathrin

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Ein Kommentar zu “Menschen!!!!”

  1. Lenny schreibt:

    Jetzt will ich aber wissen, was es mit dem Stroh auf sich hat?? ;-P

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