Jul 21

Mittwoch

Der Spanner im Computer

geschrieben von Lenny um 12:12 Uhr.

Die Rheinpfalz berichtete am Samstag über einen 44-jährigen Hacker, der sich über das Internet Zugriff auf Webcams von Jugendlichen verschafft hatte. Seine Zielgruppe waren junge, attraktive Mädchen.

Allein aus diesem Kontext heraus kann man erahnen, dass einigen Lesern sicherlich direkt übel wurde. Es werden sich sicher auch etliche Fragen ergeben haben:

  • Wieso ist es möglich sich so einfach Zugriff zu verschaffen?
  • Ist das Internet wirklich so unsicher wie es hier angedeutet wird?
  • Wie kann ich meine Kinder vor so etwas schützen?
  • Wieso hat man das nicht direkt bemerkt und eine Sperre etabliert?

Leider wurden die technischen Aspekte im Artikel der Rheinpfalz nicht so sehr beleuchtet. Daher möchte ich versuchen vielleicht den ein oder anderen dieser Aspekte auch noch zu erhellen.

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Okt 13

Dienstag

Immer wieder kann man hilfreiche Tipps lesen zur Online-Reputation. Viele dieser Artikel sind aber einfach nur überspitzt,  hoch dramatisiert und leider wohl auch überbewertet.

Meistens richten sie sich an Einsteiger, die ihren Erstkontakt mit dem Internet mit einer Registrierung, z.B. beim StudiVZ feiern. Kurz darauf hören sie dann von einem Kumpel, der schon knapp zwei Tage länger angemeldet ist, von Eingriffen in die Privatsphäre und davon, dass nun gewiefte Arbeitgeber auch Online-Profile nach Unstimmigkeiten und Bildern von Saufgelagen durchforsten. Wenig später ändert man dann fix seinen Namen auf dem Portal und passt noch dazu die Privatsphäre-Einstellungen (Neudeutsch “Preiwässi Sättinks”), nach den Empfehlungen des Kollegen, an. Zurück bleibt für Außenstehende eine leere Seite ohne Inhalt (“Kontännt”), die noch dazu unter dem falschen Namen “Graf Zahl” o.Ä. sinnfreiem  erscheint. Herzlichen Glückwunsch zu dieser Entscheidung, das Profil ist nun wirklich sicher. Jetzt können nach Herzenslust Bilder hoch- und runtergeladen werden, findet ja eh keiner mehr. Die Online-Reputation geht damit gegen Null. Fail.

Andere machen vermeindlich alles richtig und wollen es auf Business-Netzwerken, wie Xing so richtig krachen lassen. Es wird das Bild hochgeladen, zu dem damals noch die Mutter kommentiert hat: “Da siehst Du so richtig erwachsen aus”. Wir erinnern uns an dieser Stelle auch kurz daran, dass solche Mütter mit eben solchen Kommentaren ihre Kinder auch gerne mal zu PopStars oder DSDS ins direkte Verderben schicken.

Nachdem mit dem Profil-Photo die erste Hürde überwunden ist, macht man sich daran seinen Werdegang, von der Geburt bis hin zur morgentlichen Busfahrt zum Arbeitsplatz, zu beschreiben. Dabei fasst man noch kurz zusammen, was man eigentlich so kann: lesen, schreiben, reden (viel und reichlich), rechnen (nicht so dolle und auch bitte keine so krummen Zahlen). Vielleicht erwähnt man noch kurz, dass man zwischen Geburt und Busfahrt, also quasi auf dem Weg zum Bus noch BWL studiert hat.

Stolz gibt man den eigenen Namen bei Google ein und findet einen, aus Sicht der Mutter gutaussehenden, BWLer. Top, da bin ich nun, die Online-Reputation!

Hat man sich nun mit den üblichen Verdächtigen der Social-Networks beschäftigt, geht man gerne noch einen Schritt weiter Richtung Web2.0. Man möchte nicht nur gefunden werden, sondern man möchte dem Ganzen auch etwas zurückgeben und in Diskussionen und Beiträgen Reputations-Punkte sammeln. Nach einiger Zeit stellt man dann also fest, dass man wohl der einzig wahre “Ralf Müller” ist. Zumindest der einzige, der in fünf verschiedenen Social-Networks mitmischt. Außen Top-Hits, innen Geschmack und einiges an Fachwissen (“Knoff-Hoff”), sollen diese Suchergebnisse an Eindruck vermitteln.

Nun kann man sich natürlich folgende Situation vorstellen. In einer BWLer-Sekte (Xing-Gruppe), lernt man einen Ex-Studenten kennen, der zufälligerweise an der selben Uni studiert. Dann freundet man sich natürlich im StudiVZ an, der Kollege tritt mit Kommentaren die Bilder breit und erzählt das allen seinen Xing-Kollegen. Man sieht seine so mühsam errichtete Reputations-Bastille zusammenbrechen. Das Gefühl ist in etwa das gleiche, wie wenn man noch das Geräusch im Ohr hat, als man den Papierkorb auf dem Dekstop leerte und nun anfängt eine wichtige Datei zu suchen. Die siehst Du so schnell nicht wieder.

Aber Alles halb so wild, ist ja nur eine Xing-Gruppe nichts öffentliches, nur für Mitglieder und auch nur für zugelassene mit original BWLer-Profil-Bild. Die Trennung von Privatem und Offiziellem hällt also auch hier wunderbar stand.

In den Medien hört man öfter mal, dass Amokläufe und Flugzeugabstürtze über dieses Twitter publiziert werden. Kann man sich ja mal anschaun. Graf Zahl aka Ralf Müller fängt nun also auch an zu Twittern; naja zuerst nicht so richtig, dann haut man mal ein paar SEO-Links raus und gibt anderen Tipps, wie man richtig viele Follower an Land zieht. Die Anzahl der Posts stagniert erstmal, bis man selbst merkt, dass 1.000 Follower vielleicht etwas hochgegriffen sind, wenn man selbst nur 30 hat. Nundenn.

Nach langem hin und her entschließt man sich dann aber, Twitter nur noch privat zu nutzen. Man folgt einfach ein paar Usersn, die ähnliche miese Beiträge schreiben und freut sich am Miteinander.

Später im richtigen Job Twittert man ja gerne mal zwischendurch. Plötzlich kommt der Kollege rein und fragt: “Sag mal surfst Du schon wieder während der Arbeitszeit auf diesem Twitter?” Du guckst nur genervt und twitterst noch schnell ein kurzes: “Man dieser n00b weiß nichtmal was Twitter eigentlich ist.” und fügst wenig später noch an: “…soll er doch zu dieser Niete von Chef gehen und sich beschweren.”

Die Frage ist eigentlich dann nur noch, wie lange es dauert, bis einer der übrigen Mitarbeiter die Verknüpfung von Graf Zahl zu Ralf Müller herstellt und das dann dem Chef beichtet. Auf jeden Fall hat man dann unter Umständen ganz lange Zeit nachzudenken, was man an welchem Online-Profil besser machen könnte. Vielleicht hätte man auf dem Xing-Profil nicht doch die Twitter-Url für Jederman angeben sollen. Who knows.

Sicher ist aber auf jeden Fall, dass man privates und geschäftliches im Internet meiner Meinung nach garnicht trennen kann, zumindest nicht auf Dauer. Der Google-Elefant vergisst nie. Zum durchschauen einer solchen Fassade braucht man in der Regel nur, entweder einen schlauen Menschen oder eine dumme Suchmaschine. Was passiert, wenn ein schlauer Mensch eine dumme Suchmaschine bedient erleben wir ja täglich am eigenen PC. Man findet zu den Dingen, nach denen man eigentlich gesucht hat, auch all diejenigen, von denen man garnichts wissen wollte; Stichwort “pony geschwollene zunge”. Wenn ich also nicht will, dass irgendeine Information von mir im Netz wiederzufinden ist, dann poste ich sie auch nicht in selbiges Medium.

Umgekehrt halte ich es für unsinnig zu behaupten, dass Alles was im Netz gefunden wird, später auch gegen einen verwendet wird. Derjenige, der noch nie besoffen war, zahlt den ersten Stein auf dem nächsten Betriebsausflug. Das Problem hat man aber im richtigen Leben auch, denn man weiß nie im Vornherein, was Andere über einen selbst denken und was sie wiederum dann als Information weitergeben.

Damit möchte ich diesen Beitrag nun auch beenden und hoffe, dass einige mal drüber nachdenken, was Sie alles über sich veröffentlicht haben in all den Netzen auf denen sie angemeldet sind und was man vielleicht besser machen könnte, um sich selbst möglichst originalgetreu anderen zu präsentieren, ohne dabei über die Stränge zu schlagen. Erstmal Maß halten, dann erst Maß trinken ;-)

Eine weitere Meinung zu diesem Thema findet man übrigens im Blog von Marco Ripanti.

Okt 01

Donnerstag

Das X versus Y im Web 2.0

geschrieben von Lenny um 10:01 Uhr.

Dieser Beitrag kann gerne auch als Stöckchen aufgefangen werden.

Ich fange einfach mal an. Der jeweils fette Teil ist mein persönlicher Favorit.

  • Vimeo vs. YouTube
  • Yiid vs. DandyID
  • Posterous vs. Tumblr
  • Loopt vs. Brightkite
  • Delicious vs. Diigo
  • Dailybooth vs. Dailymugshot
  • Flickr vs. Ipernity
  • getsatisfaction vs. Uservoice
  • Xing vs. LinkedIn
  • meinVZ/StudiVZ vs. Wer-kennt-wen (obwohl beides ein Krampf ist)

Bei einigen Vergleichen ist mir aufgefallen, dass oft auch einfach nur das bessere Layout entscheidet. Beziehungsweise -je näher der Funktionsumfang beieinander liegt, desto eher entscheidet rein die Optik. Auch im Web2.0 ist weniger oft mehr, daher wundert es mich immer wieder, wie überladene Seiten alá Facebook so beliebt sein können.